Velafricas Partner in der Elfenbeinküste, Sport3, ist mehr als nur ein Veloladen. Das Team rund um den Gründer Nicolas de Roux fördert mit regelmässigen Velorennen und einem Freizeitprogramm für Kinder gezielt die lokale Velokultur. Ein Interview.
Nicolas, wie kamst du dazu, einen Veloladen in der Hauptstadt Abidjan zu gründen?
Geboren bin ich in der Bretagne in Frankreich, aber ich kam mit ca. 23 Jahren in die Elfenbeinküste, um ein Telekommunikationsunternehmen aufzubauen. Danach gründete ich Sport3, weil ich ein grosser Velofan bin. Nun beziehen wir jedes Jahr rund 1’300 gebrauchte Velos von Velafrica und etwa nochmals so viele neue Velos von anderen Händlern. Ausserdem verkaufen wir Zubehör, bieten einen Veloverleih an und führen Reparaturen durch.

Wie steht es um die lokale Velokultur? Wie verbreitet ist Velofahren?
Velofahren ist noch nicht allzu verbreitet in Abidjan. Wie anderswo hält sich hartnäckig das Klischee, wonach Velofahren etwas für arme Leute sei. Wer es sich leisten kann, kauft sich ein Motorrad oder ein Auto. Auch gibt es keine Veloinfrastruktur, sondern Velofahrer:innen müssen sich die Strasse mit dem motorisierten Verkehr teilen. Da kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen – ich erhole mich selbst gerade von einem Zusammenstoss mit einem Motorrad. Trotzdem werden in Abidjan immer mehr Mountainbike-Vereine gegründet.
Was braucht es, damit mehr Leute in Abidjan Velofahren?
Der Trend ändert langsam, weil immer mehr Leute das Velofahren für sich entdecken. Damit Velofahren aber wirklich populär wird, braucht es mindestens drei Veränderungen: Es braucht sicherere Velowege; die Einfuhrzölle müssen sinken, damit mehr Velos in die Elfenbeinküste importiert werden können; und die jungen Leute müssen vertraut werden mit Velofahren und Spass daran finden. Genau da setzen wir an.
Wie fördert Sport3 das Velofahren bei Kindern?
Wir haben seit diesem Frühling ein Trainingsprogramm für Kinder aus benachteiligten Quartieren in der Nähe unseres Ladens aufgebaut. Die Kinder können bei uns gratis ein Velo und einen Helm leihen und ich und drei weitere Coaches bringen ihnen das Velofahren bei und organisieren kleinere Touren. Jetzt, während den Sommerferien, findet es zwei bis drei Mal pro Woche statt. Nach den Sommerferien werden wir damit weiterfahren, aber die Zeiten an den Stundenplan der Schulen anpassen. Das Interesse am Programm ist gross: Die Werbung erfolgt ausschliesslich über Mund-zu-Mund-Propaganda und wir haben nun fast 100 Kinder zwischen 8-14 Jahren, die teilnehmen. Wir hoffen, dass es aus dem einen oder anderen Kind mal ein Veloprofi gibt!

Wie finanziert ihr dieses Programm?
Grundsätzlich finanziert es Sport3 selbst. Velafrica schenkt uns nun aber einige Dutzend Kindervelos, die wir im Programm nutzen können. Und mittelfristig versuchen wir, lokale Sponsoren zu gewinnen, deren Logo wir auf unseren Sport-T-Shirts abdrucken werden. Dank unserer Reichweite und Bekanntheit ist das attraktiv für Sponsoren.
Sport3 organisiert auch Velorennen. Wie läuft das ab?
Wir organisieren diese Rennen schon seit längerem. Sport3 ist nämlich nicht nur ein Laden, sondern auch ein anerkannter Veloclub. Als solcher organisieren wir diesen September zum Beispiel zum vierten Mal ein Mountainbike-Rennen für Kinder von 6 bis 14 Jahren. Wir haben auch schon Rennen für Erwachsene organisiert. So fördern wir die Velokultur – Kilometer für Kilometer.
Interview von Bettina Wyler (Velafrica), Fotos von Sport3
Fördern Sie den Velosport in Abidjan!
Mit einer Spende von 75 CHF ermöglichen Sie z. B. die Aufbereitung und den Export eines weiteren Velos in die Elfenbeinküste, welches beispielsweise in einem Sportprogramm bei Sport3 genutzt werden kann. Vielen Dank!